FC Bayern: De Ligt erklärt seine Probleme bei Juventus - Ballack meldet Zweifel an

Matthijs de Ligt vom FC Bayern hat auf seine Zeit bei Juventus Turin zurückgeblickt. Der Wechsel von Ajax Amsterdam nach Italien 2019 sei ein Rückschritt gewesen.

"Ja, das könnte man schon sagen", meinte de Ligt in einem Interview mit ESPN: "Ich war Kapitän bei Ajax und hatte das Gefühl, dieses Team auch anführen zu müssen. Wenn du dann natürlich zu einem Team gehst, das solche Legenden in der Verteidigung und im Tor hat, ist es für einen Jungen von 19 Jahren am Anfang vielleicht ein bisschen schwierig, so aufzutreten, wie du eigentlich könntest. In gewisser Weise war ich bei Juve weniger ich selbst."

Dennoch habe er in den drei Jahren bei der Alten Dame von Größen wie Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci und Gianluigi Buffon profitiert. "Ich habe eine Menge gelernt und jeden Tag versucht, Dinge aufzusaugen, um ein besserer Spieler und Leader zu werden", sagte der 22 Jahre alte Innenverteidiger.

Ein Rückschlag war für de Ligt die Trennung von Trainer Maurizio Sarri im August 2020. Der sei schließlich ein wichtiger Grund dafür gewesen, überhaupt nach Turin zu wechseln.

"Ich entschied mich für Juve mit der Idee, offensiveren Fußball zu spielen, weil der Trainer Sarri war: Er hat einen guten Ruf für das, was er bei Napoli und Chelsea getan hat, und ich dachte, ich würde einen Stil finden, der dem von Ajax ähnlicher ist. Leider verließ er uns nach einem Jahr", erinnerte sich der Niederländer.

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De Ligt: Probleme mit dem System bei Juventus

Auch deshalb sei ihm das System bei Juventus nicht entgegengekommen. "Bei Ajax habe ich sehr viel Druck gemacht, bin Risiken eingegangen. Bei Juve war das anders. Ich habe mehr nach hinten gespielt, es war eine andere Art zu verteidigen. In Italien ist das Tempo im Allgemeinen langsamer, so dass man weiter hinten bleiben kann", erklärte de Ligt.

Grundsätzlich bevorzugt der Youngster aus Leiderdorp die rechte Position in der Innenverteidigung. Bei Juventus musste er aber häufig nach links ausweichen.

"Am Anfang war es bei Juve schwierig, auf der linken Seite zu spielen. Dann haben Bonucci und ich in der Mitte der Saison die Plätze getauscht. Wir waren ein gutes Paar, wir haben den Scudetto gewonnen", sagte de Ligt: "Im zweiten und dritten Jahr habe ich dann wieder auf der linken Seite gespielt. Es war nicht so, dass ich dort nicht spielen wollte, aber ich wusste, dass ich auf der rechten Seite sicherer bin."

Ballack, Wagner und Hamann zweifeln an de Ligt

Ob de Ligt beim FC Bayern, wo er einen Vertrag bis 2027 unterschrieben hat, von Beginn an die Erwartungen erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Mittlerweile haben sich die ersten Zweifler zu Wort gemeldet.

"Er war bei Juventus nicht unumstritten. Von den Leistungen ist er noch nicht der Spieler, der das Weltklasse-Prädikat mitbringt. Da wäre ich vorsichtig", sagte der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack bei einem DAZN-Termin.

Die ehemaligen Bayern-Spieler Sandro Wagner und Didi Hamann hatten sich ähnlich kritisch geäußert. "Macht es Sinn, de Ligt für 70 Millionen zu holen, wenn man Niki Süle hatte und ihn vielleicht hätte behalten können?", fragte Wagner.

Und Hamann meinte bei Sky: "Die große Frage wird sein, ob de Ligt in der Lage ist, die Abwehr zu führen. Er hat das wunderbar gemacht in Amsterdam. In Turin hat er es nicht geschafft. Er ist den Beweis noch schuldig, dass er eine Abwehr wie die von Bayern München führen kann. Ich wäre da etwas zurückhaltend und vorsichtig."