Jose Luis Cuciuffo: Der Weltmeister, der sich aus Versehen selbst erschoss

Wer an die WM 1986 denkt, dem kommt zwangsläufig Diego Maradona in den Sinn. Nicht zuletzt mit seiner "Hand Gottes" und diversen unwiderstehlichen Leistungen führte der damals wohl weltbeste Spieler Argentinien zum WM-Titel beim Turnier in Mexiko. Doch der begabte Spielmacher sah sich nicht als alleinigen Heilsbringer der Albiceleste. Vor allem ein Spieler wurde zum Zentrum seiner Huldigungen.

"Cuciuffo hat sich zu einem Monsterspieler entwickelt", sagte Maradona später und ließ das ultimative Lob folgen: "Er hatte nicht erwartet, viel zu spielen, aber am Ende war er in der Deckung wie Beckenbauer und schoss wie Zico." Doch über wen sprach Maradona so hochachtungsvoll?

Jose Luis Cuciuffo: Der heimliche Held der WM 1986

Jose Luis Cuciuffo war einer der heimlichen Helden bei der WM 1986. Nationaltrainer Carlos Bilardo nominierte den Abwehrspieler für das Turnier, obwohl Cuciuffo zuvor noch kein einziges Länderspiel absolviert hatte. Beim Turnier selbst kam er dann mit Ausnahme des ersten Spiels gegen Südkorea in jedem Spiel zum Einsatz, so auch im Finale gegen Deutschland, das Argentinien mit 3:2 gewann. Im Halbfinale gegen Belgien bereitete er das 2:0 durch Maradona vor.

Cuciuffo war kein Spieler, der das Rampenlicht suchte. Und seine Laufbahn gab abseits der WM 1986 auch nur wenig Anlass dazu. Seine Karriere im Vereinsfußball führte ihn 1990 für drei Jahre zu Olympique Nimes in die französische Liga, wo er unter anderem mit Eric Cantona zusammenspielte. Ansonsten blieb Cuciuffo stets in seiner Heimat Argentinien, wo er schließlich 1994 seine Karriere beendete.

Danach blieb er dem Fußball treu und arbeitete unter anderem in Japan, ansonsten widmete er sich seiner anderen Leidenschaft, dem Jagen. Doch diese wurde Cuciuffo schließlich zum Verhängnis. Am 11. Dezember 2004 ging das Leben des zu diesem Zeitpunkt erst 43-Jährigen auf tragische Weise zu Ende.

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Jose Luis Cuciuffo: Ein tragischer Unfall beendete sein Leben

In Bahia San Blas, rund 600 Kilometer von der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entfernt, war Cuciuffo mit Freunden auf einem Jagdausflug unterwegs. Plötzlich kollidierte der Pickup von Cuciuffo mit einem Erdloch, er verlor die Kontrolle über den Wagen. Mitten in diesen Wirren entlud sich plötzlich das Gewehr, das Cuciuffo zwischen den Beinen hielt und dessen Lauf nach oben zeigte. Das Projektil traf Cuciuffo im Magen, zerfetzte die Leber und blieb schließlich in der Aorta stecken.

Zwar wurde Cuciuffo zunächst vor Ort behandelt, doch auf dem Weg in ein weiter entfernteres Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen. Damit wurde Cuciuffo zum ersten argentinischen Weltmeister - die Mannschaft von 1978 eingeschlossen -, der starb. Die Polizei ermittelte anschließend wegen fahrlässiger Tötung und nahm einen seiner Begleiter vorübergehend fest. Doch es war ein Unfall, der Cuciuffo das Leben nahm.

Dass Cuciuffo im argentinischen Fußball eine hohe Popularität genoss, zeigte sich bei seiner Beerdigung. Zahlreiche prominente Vertreter aus dem Fußball, darunter sein früherer Nationaltrainer Bilardo, Nery Pumpido oder Sergio Batista reisten von Buenos Aires in Cuciuffos Heimat Cordoba, wo er seine letzte Ruhe fand.

Zwölf Jahre nach seinem Tod wurde Cuciuffo schließlich mit einer Büste geehrt, die auf dem Kinderspielplatz der Plaza de los Burros im Viertel San Martin enthüllt wurde. Genau dort trat Cuciuffo als Kind erstmals gegen einen Ball. Delegierte der drei größten Vereine Cordobas waren bei der Zeremonie anwesend, ebenso seine Tochter. Sie alle blickten an jenem Abend auf einen besonderen Spieler zurück, für den selbst ein Diego Maradona besondere Worte fand.

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